Verlustvortrag und Werbungskosten als Student: so sparst Du Steuern
Stand: · Werte für das Steuerjahr 2025
Mit einem Verlustvortrag sparst Du als Student Steuern, auch wenn Du im Studium kaum welche zahlst. Das Finanzamt merkt sich Deine Werbungskosten aus Studium und Nebenjob und verrechnet sie später mit Deinem ersten Gehalt. Was ein Verlustvortrag genau ist, welche Werbungskosten Du ansetzen darfst und wie Du beides in Deine Steuererklärung einträgst, erklären wir Dir hier.
Was ist ein Verlustvortrag im Studium?
Ein Verlustvortrag ist ein Minus, das Du beim Finanzamt ansparst, wenn Deine Ausgaben für Studium und Nebenjob höher sind als Deine Einnahmen. Semestergebühren, Schreibmaterial, Bücher und Semesterticket kosten viel Geld. Das alles zahlst Du erstmal aus eigener Tasche. Das Steuerrecht kennt dafür einen Kniff, der Studierende entlastet. Er funktioniert so.
Das Finanzamt zieht jedes Jahr Deine Ausgaben für Studium und Nebenjob von Deinen Einnahmen ab. Auf den Teil über dem Grundfreibetrag von 12.096 € zahlst Du Steuern. Die meisten Studenten haben jedoch mehr Ausgaben als Einnahmen. Dann ermittelt das Finanzamt einen Negativbetrag, den sogenannten Verlustvortrag. In einer Zweitausbildung wie dem Master darfst Du diesen Verlustvortrag mit ins nächste Jahr nehmen und senkst damit Deine spätere Steuerlast.
Welche Vorteile bringt ein Verlustvortrag?
Ein Verlustvortrag reduziert Dein zu versteuerndes Einkommen, besonders nach dem Berufseinstieg. Das heißt Du zahlst weniger Steuern. Stell Dir den Verlustvortrag als Dein persönliches Sparkonto beim Finanzamt vor. Während des Studiums wächst dieses Steuersparschwein, denn Verlustvorträge verfallen nicht. Die Steuererklärung dafür kannst Du bis zu sieben Jahre rückwirkend abgeben. Dafür musst Du eine Steuererklärung machen und dem Finanzamt mitteilen, welche Werbungskosten Du hattest.
Wie das geht, zeigen wir Dir in diesem ausführlichen Beispiel weiter unten.
Wer darf einen Verlustvortrag geltend machen?
Du darfst als Student einen Verlustvortrag geltend machen, sobald Du in einer Zweitausbildung bist. Ein Zweitstudium wie der Master zählt immer dazu. Alle studienbezogenen Ausbildungskosten setzt Du dann in der Steuererklärung als Werbungskosten an. Die steuerliche Unterscheidung zwischen Erst- und Zweitausbildung steht im Gesetz (§ 9 Abs. 6 EStG). Das Bundesverfassungsgericht hat sie 2019 bestätigt.
Im Erststudium ohne vorherige Berufsausbildung bist Du in der Erstausbildung. Dann kannst Du Deine Ausbildungskosten nur als Sonderausgaben geltend machen. Sonderausgaben sind Kosten aus Deiner privaten Lebensführung, etwa eine private Krankenversicherung als Zusatzleistung. Anders als Werbungskosten werden sie immer in dem Jahr verrechnet, in dem sie anfallen. Ein Verlustvortrag ins nächste Jahr ist mit Sonderausgaben deshalb nicht möglich. Ob Du in der Erstausbildung oder Zweitausbildung bist, siehst Du hier.
- Zweitausbildung:
- Du studierst im Master oder im Bachelor nach einer Ausbildung von mindestens 12 Monaten. Wer ein duales Studium macht, setzt berufsbedingte Kosten ebenfalls als Werbungskosten an, genau wie Berufssoldaten und Offiziere der Bundeswehr.
- Erstausbildung:
- Im Bachelor ohne vorherige Ausbildung kannst Du berufsbedingte Kosten bis zu 6000€ als Sonderausgaben geltend machen. Ein Verlustvortrag ist hier nicht möglich.
Was sind Werbungskosten?
Werbungskosten sind alle Ausgaben, die Du machst, um Einnahmen zu erwerben oder zu sichern. Mit Werbung hat der Begriff nichts zu tun, auch wenn er am Anfang verwirrt. Er ist einfach alt und meint die Kosten der Erwerbung von Einnahmen. Ein Studium sichert Dir später zum Beispiel einen Job. Deshalb zählen im Masterstudium oder in der Promotion fast alle Ausgaben dafür als Werbungskosten. Im Studium heißen sie vorweggenommene Werbungskosten, weil die Einnahmen erst später kommen. Genau daraus entsteht der Verlustvortrag.
Diese Werbungskosten kannst Du als Student ansetzen
Hier findest Du, was alles darunterfällt und wo es eine Pauschale gibt, die Du ohne Einzelnachweis ansetzen darfst.
| Werbungskosten | Pauschale |
|---|---|
| Arbeitsmittel | - |
| Auslandssemester | - |
| Autofahrten zur Uni oder Arbeit | 0,30 € bis 20 km, ab 21 km 0,38 € pro Kilometer |
| Berufshaftpflichtversicherung | - |
| Berufskleidung | - |
| Bewerbungsunterlagen | ca. 8,50 € bis 15 €, Online-Bewerbung 2,50 € |
| Doppelte Haushaltsführung | - |
| Drucken von Abschlussarbeiten | - |
| Fachliteratur | - |
| Kontoführungsgebühren | 16 € |
| Praktikumskosten | - |
| Semesterbeiträge | - |
| Sprachkurse | - |
| Studienfahrten und Exkursionen | - |
| Studiengebühren | - |
| Telefon und Internet | 20 € pro Monat |
| Umzugskosten | für Singles 964 €, ohne eigene Wohnung vor dem Umzug 193 € |
| Verpflegungsmehraufwand | Hier geht's zur Tabelle |
Mit diesen Ausgaben senkst Du Deine Steuerlast, sobald Du in einer Zweitausbildung bist. Dabei gibt es zwei Fälle. Entweder Du verdienst nebenher Geld oder Du hast nur studienbezogene Ausgaben und keine Einnahmen. Im ersten Fall reduzieren die Werbungskosten meist das zu versteuernde Einkommen desselben Jahres. Ein Verlustvortrag trotz Einkommen entsteht nur, wenn Deine Werbungskosten höher sind als Deine Einnahmen. Im zweiten Fall nimmst Du Deine Werbungskosten mit einem Verlustvortrag ins nächste Jahr und verrechnest sie erst dann. Welcher Fall auf Dich zutrifft und wie hoch der Betrag wird, rechnet Dir unser Verlustvortrag-Rechner aus.
Die Werbungskostenpauschale von 1.230 € hilft beim Verlustvortrag nicht. Das Finanzamt zieht sie höchstens bis zur Höhe Deines Arbeitslohns ab (§ 9a EStG), einen Verlust erzeugt sie deshalb nie. Für den Verlustvortrag zählen nur die Kosten, die Du einzeln einträgst.
So wirken Werbungskosten in einem Beispiel
Angenommen, Du machst Deine Steuererklärung und hattest im letzten Jahr ein Einkommen von 13375€. Du bist mit dem Auto zur Arbeit gefahren und hast den Semesterbeitrag vorgestreckt. Dadurch hast Du über das Jahr Werbungskosten von 1635€ angesammelt. Das Finanzamt zieht Deine Ausgaben von Deinen Einnahmen ab und legt auf den Rest den Steuersatz an. Dein zu versteuerndes Einkommen wäre also 13375€ - 1635€ = 11740€. Damit liegst Du unter dem Grundfreibetrag von 12.096 € und bekommst alle gezahlten Steuern durch die Steuererklärung zurück. Einen eigenen Steuerfreibetrag für Studenten, den Du geltend machen müsstest, gibt es nicht. Es gilt der Grundfreibetrag wie für alle, und den zieht das Finanzamt automatisch ab.
Hättest Du im vergangenen Jahr nichts verdient, aber dieselben Werbungskosten gehabt, könntest Du einen Verlustvortrag geltend machen. Das Finanzamt merkt sich dann Deine Ausgaben und verrechnet sie im Folgejahr mit Deinem Einkommen. Das geht immer, solange Du mehr Ausgaben als Einnahmen hattest. In beiden Fällen lohnt es sich, die Werbungskosten anzugeben und eine Steuererklärung zu machen.
Wann profitierst Du von einem Verlustvortrag als Student?
Ein Verlustvortrag lohnt sich immer dann, wenn Du weniger Einnahmen als Ausgaben hattest. Das trifft auf die meisten Studierenden während des Studiums zu. Das Finanzamt nimmt Dir dabei sogar Arbeit ab. Solange Du weniger Einnahmen als Ausgaben hattest, übernimmt es Deinen angesparten Verlustvortrag automatisch ins nächste Jahr.
Nach dem Studium verdienst Du im Berufsleben meist deutlich mehr als in Deiner Zeit als Student. Der Verlustvortrag aus den Vorjahren senkt dann Dein zu versteuerndes Einkommen und damit Deine Einkommensteuer.
Zusammengefasst: Eine Steuerrückerstattung kannst Du meist in Deinem ersten Berufsjahr erwarten.
Kannst Du die Steuererklärung mit Verlustvortrag als Student rückwirkend abgeben?
Ja, als Student kannst Du die Steuererklärung mit Verlustvortrag bis zu sieben Jahre rückwirkend abgeben. So machst Du den Verlustvortrag für Jahre im Studium nachträglich geltend, für die Du noch keine Erklärung abgegeben hast.
So machst Du als Student den Verlustvortrag in ELSTER
Diese Anleitung zeigt Dir, wie Du den Verlustvortrag in der Steuererklärung mit ELSTER machst. Wähle zunächst auf der Startseite des Formulars die Option Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags aus. Danach kannst Du Dich an unserem Beispiel eines Masterstudenten orientieren.
Hauptvordruck
- Zeile 2 angekreuzt
- Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags
Im Jahr darauf, wenn Du verdienst, gibst Du in Zeile 17 der Anlage Sonstiges an, dass zum Ende des Vorjahres ein Verlustvortrag festgestellt wurde. So verrechnet das Finanzamt ihn mit Deinem Einkommen.
Anlage Sonstiges
- Zeile 17 angekreuzt
- Es wurde ein verbleibender Verlustvortrag nach § 10d EStG zum 31.12. des Vorjahres festgestellt.
Beispiel: Kevin ist Masterstudent und hatte neben dem Studium keine Zeit für einen Nebenjob, weil er seiner Oma im Haushalt geholfen hat. Nächstes Jahr will er anfangen zu arbeiten und deshalb einen Verlustvortrag geltend machen. Seine Werbungskosten hat er über das Jahr in einer Tabelle zusammengefasst.
| Werbungskosten | Ausgaben |
|---|---|
| Studiengebühren | 635€ |
| Fachliteratur | 130€ |
| Bürounterlagen | 110€ |
| Kontoführungsgebühren | 16€ |
| Autofahrten | 240€ |
Insgesamt kann er also einen Verlustvortrag von 1131€ geltend machen. Wie er das in seiner Steuererklärung angibt und welche Steuerformulare er braucht, findest Du im Steuerbeispiel: Verlustvortrag als Student, inklusive ausgefüllter Steuerformulare. Nötig sind in jedem Fall der Mantelbogen und die Anlage N. Dort trägst Du Deine Werbungskosten ein. Machst Du Deine Steuererklärung online mit ELSTER, startest Du in der Anlage N mit Deinen Autofahrten. Nach den Entfernungskilometern gibst Du unter Weitere Werbungskosten Studiengebühren, Fachliteratur, Bürounterlagen und Kontoführungsgebühren an.
Anlage N
- Zeile 27 Ziel des Weges
- Universität zu Köln
- Zeile 27 vom - bis
- 06.01 - 20.12
- Zeile 29 Aufgesucht an Tagen
- 100
- Zeile 30 einfache Entfernung in Kilometern
- 8
- Zeile 60 Fachliteratur
- 195 €
- Zeile 60 Bürounterlagen
- 110 €
- Zeile 62 Studiengebühren
- 635 €
- Zeile 62 Kontoführungsgebühren
- 16 €
Tipp: Das Jahr der Verrechnung kannst Du nicht wählen. Beeinflussen kannst Du nur, wann Dein erstes volles Einkommen beginnt. Ein Berufsstart im Januar nutzt den Verlustvortrag besser als einer im Dezember.
Was gibt es bei einem Verlustvortrag als Student zu beachten?
In ungünstigen Fällen bringt Dir der Verlustvortrag im nächsten Jahr keinen steuerlichen Vorteil. Das passiert, wenn Dein Einkommen auch ohne ihn unter dem Grundfreibetrag liegt. Angenommen, Du hast beim Finanzamt einen Verlustvortrag für das Jahr 2019 von 5000€ eingereicht. Im Jahr 2020 hattest Du Einnahmen von 9000€ und 1500€ Werbungskosten. Dann rechnet das Finanzamt Dein zu versteuerndes Einkommen so aus.
Von den 9000€ zieht es Deinen Verlustvortrag (5000€) und die Werbungskosten des aktuellen Jahres (1500€) ab. Dein zu versteuerndes Einkommen beträgt demnach 2500€. Sowohl 9000€ als auch 2500€ liegen jedoch unter dem Grundfreibetrag. Du bekommst in beiden Fällen die gezahlten Steuern zurück. Der Verlustvortrag hätte in diesem Fall also keine Auswirkungen auf die Steuerlast. Ins Folgejahr wird er trotzdem nicht übernommen, er verpufft.
Was gilt in Deiner Studienform besonders?
Welche Kosten Du ansammeln kannst, hängt davon ab, wie Du studierst. Für die häufigsten Fälle haben wir das im Detail aufgeschrieben.
- Promotion und Doktorarbeit mit Druckkosten, Zweitwohnung und Betreuungsgebühren
- Duales Studium, wo fast immer Werbungskosten statt Sonderausgaben gelten
- Auslandssemester mit doppelter Haushaltsführung und Verpflegungsmehraufwand
- Fernstudium mit Studiengebühren und häuslichem Arbeitszimmer
- Medizinstudium mit Fachliteratur, Praktika und dem Praktischen Jahr
Ob Du überhaupt abgeben musst, klärt dieser Artikel zur Abgabepflicht. Wenn Deine Eltern Deine Studienkosten tragen, lohnt sich ein Blick auf die fünf Ausgaben, die Eltern absetzen können.