Kinderfreibetrag oder Kindergeld, ab wann sich der Freibetrag lohnt
Stand: · Werte für das Steuerjahr 2025
Der Kinderfreibetrag lohnt sich für zusammen veranlagte Eltern erst ab rund 84.000 Euro zu versteuerndem Einkommen, darunter ist das Kindergeld mehr wert. Wählen musst Du nicht, das Finanzamt vergleicht mit jeder Steuererklärung automatisch, was für Dich günstiger ist. Der Kinderfreibetrag beträgt 6.672 € je Kind, dazu kommen 2.928 € für Betreuung, Erziehung und Ausbildung. Hier findest Du die Rechnung, die Beträge seit 2022, die Wirkung des Freibetrags auf der Lohnabrechnung und die Regeln für Eltern von Studenten.
Kindergeld oder Kinderfreibetrag? Du musst nichts wählen
Eltern können nicht zwischen Kindergeld und Kinderfreibetrag wählen, auch wenn das oft so behauptet wird. Was Kinderfreibeträge heißt, ist schnell erklärt. Es sind die Steuerfreibeträge für Kinder, die bei der Einkommensteuer das Existenzminimum des Kindes freistellen. Beides steht Dir für dasselbe Kind zu, aber nur einmal. Das Kindergeld beantragst Du bei der Familienkasse. Es wird monatlich ausgezahlt, 255 € je Kind. Den Kinderfreibetrag musst Du nirgends beantragen. Das Finanzamt prüft mit Deiner Steuererklärung von selbst, ob er Dich besser stellt als das Kindergeld. Das ist die Günstigerprüfung nach § 31 EStG.
Fällt die Prüfung zugunsten des Freibetrags aus, senkt der Kinderfreibetrag Dein zu versteuerndes Einkommen. Das Kindergeld, das Du bekommen hast, rechnet das Finanzamt dafür wieder auf die Steuer drauf. Unterm Strich bleibt Dir die Differenz. Fällt die Prüfung zugunsten des Kindergeldes aus, passiert nichts weiter. Du behältst das Kindergeld und der Freibetrag bleibt ungenutzt. Wie der Kinderfreibetrag funktioniert, lässt sich damit in einem Satz sagen. Er ersetzt das Kindergeld bei höheren Einkommen, er ist keine Zusatzleistung obendrauf. Wichtig ist nur eines. Das Kindergeld musst Du beantragt haben, denn die Prüfung rechnet mit dem Anspruch, nicht mit der Auszahlung. Wer das Kindergeld vergisst, verliert beides.
Ab wann lohnt sich der Kinderfreibetrag?
Der Kinderfreibetrag lohnt sich bei zusammen veranlagten Eltern ab rund 84.000 Euro zu versteuerndem Einkommen, bei Einzelveranlagung ab rund 42.000 Euro. Der Grund liegt im Steuersatz. Der Freibetrag wirkt über den Steuersatz, das Kindergeld ist ein fester Betrag. Der Freibetrag gewinnt deshalb erst, wenn die Steuerersparnis aus 6.672 € plus 2.928 € weniger Einkommen das Kindergeld eines Jahres übersteigt. Bei einem Kind sind das 255 € mal zwölf.
| Eltern | Freibetrag zusammen | Kinderfreibetrag lohnt sich ab |
|---|---|---|
| Verheiratet, zusammen veranlagt, ein Kind | 9.600 Euro (2025) | rund 84.000 Euro zu versteuerndes Einkommen |
| Einzelveranlagung oder getrennt lebend, halber Freibetrag | 4.800 Euro (2025) | rund 42.000 Euro zu versteuerndes Einkommen |
Für die allermeisten Familien gewinnt das Kindergeld. Ein Paar mit 60.000 Euro zu versteuerndem Einkommen spart mit dem Freibetrag rund 2.650 Euro Steuer. Das Kindergeld bringt 3.060 Euro, also bleibt es beim Kindergeld. Erst jenseits von 84.000 Euro dreht sich das Verhältnis, und dann meist um wenige hundert Euro im Jahr. Mit jedem weiteren Kind verschiebt sich die Schwelle nach oben. Steuern sparen mit Kindern läuft bei normalen Einkommen deshalb nicht über den Kinderfreibetrag. Es läuft über die anderen Posten, die Eltern absetzen können, etwa Kinderbetreuungskosten mit 80% der Gesamtkosten (Höchstbetrag 4.800 €) oder den Ausbildungsfreibetrag von 1.200 € für auswärts wohnende volljährige Kinder in Ausbildung.
Steuertipp: Rechnen musst Du das nie selbst. Gib die Anlage Kind ab, das Finanzamt vergleicht beide Wege und nimmt den besseren. Beim Steuerfreibetrag für Kinder kannst Du also nichts falsch entscheiden.
Wie hoch ist der Kinderfreibetrag?
Der Kinderfreibetrag ist seit 2022 von 5.620 Euro auf 6.828 Euro im Jahr 2026 gestiegen, die Tabelle zeigt alle Beträge. Im Gesetz steht er als Betrag je Elternteil, genannt wird meist die Summe für beide. Dazu kommt der BEA-Freibetrag für Betreuung, Erziehung und Ausbildung, der seit Jahren unverändert ist. Beide zusammen ergeben den Betrag, den das Finanzamt in der Günstigerprüfung ansetzt.
| Jahr | Kinderfreibetrag | BEA-Freibetrag | Summe |
|---|---|---|---|
| 2026 | 6.828 € | 2.928 € | 9.756 € |
| 2025 | 6.672 € | 2.928 € | 9.600 € |
| 2024 | 6.612 € | 2.928 € | 9.540 € |
| 2023 | 6.024 € | 2.928 € | 8.952 € |
| 2022 | 5.620 € | 2.928 € | 8.548 € |
Jedem Elternteil steht die Hälfte zu, also 3.336 € plus 1.464 €. Verheiratete Eltern, die zusammen veranlagt werden, bekommen den vollen Betrag auf ihr gemeinsames Einkommen. Bei getrennt lebenden oder nicht verheirateten Eltern behält jeder seine Hälfte. Ein Elternteil kann sich die Hälfte des anderen übertragen lassen, wenn dieser seiner Unterhaltspflicht nicht zu mindestens 75 Prozent nachkommt. Den BEA-Anteil für ein minderjähriges Kind kann der Elternteil übertragen lassen, bei dem das Kind gemeldet ist. Beides beantragst Du in der Anlage Kind.
Das Kindergeld liegt bei 255 € je Kind und Monat. 2025 waren es 255 Euro, in den beiden Jahren davor 250 Euro. Die frühere Staffelung nach Kinderzahl, bei der es ab dem dritten Kind mehr gab, ist zum 1. Januar 2023 entfallen. Seitdem bekommt jedes Kind denselben Betrag.
Was bewirkt der Kinderfreibetrag bei der Lohnsteuer?
Bei der Lohnsteuer bewirkt der Kinderfreibetrag nichts, er senkt nur Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Auf Deiner Lohnabrechnung steht trotzdem ein Kinderfreibetragszähler, meist 0,5 oder 1,0. Er sagt, wie viele halbe Freibeträge auf Dich entfallen. Er steht in Deinen elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen, die das Finanzamt aus den Meldedaten füllt. Dass er die Lohnsteuer nicht ändert, überrascht viele. Es ist die Folge der Günstigerprüfung, denn beim monatlichen Abzug ist noch nicht klar, ob am Ende das Kindergeld oder der Freibetrag gewinnt.
Wirkung hat der Zähler nur bei den Zuschlagsteuern. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer werden aus einer Lohnsteuer berechnet, in der die Kinderfreibeträge schon abgezogen sind. Deshalb sinken beide jeden Monat. Wer keine Kirchensteuer zahlt und wegen der Soli-Freigrenze ohnehin keinen Solidaritätszuschlag mehr zahlt, merkt vom Zähler nichts. Stimmt der Zähler nicht, etwa nach einer Geburt oder wenn das Kind beim anderen Elternteil wohnt, änderst Du ihn beim Finanzamt, nicht beim Arbeitgeber.
Wie lange hast Du Anspruch auf Kinderfreibetrag und Kindergeld?
Den Anspruch hast Du ab dem Geburtsmonat bis zum 18. Geburtstag des Kindes, ohne weitere Bedingungen. Danach läuft er bis zum 25. Geburtstag weiter, wenn das Kind
- eine Schule, eine Ausbildung oder ein Studium absolviert,
- auf einen Ausbildungs- oder Studienplatz wartet oder in einer Übergangszeit von höchstens vier Monaten zwischen zwei Abschnitten steckt,
- ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr oder einen Bundesfreiwilligendienst leistet.
Zwischen 18 und 21 gibt es ihn außerdem für arbeitslose Kinder, die bei der Agentur für Arbeit gemeldet sind. Bei einem Kind mit Behinderung, das sich nicht selbst unterhalten kann, gilt keine Altersgrenze, wenn die Behinderung vor dem 25. Geburtstag eingetreten ist. Wann man den Kinderfreibetrag bekommt, hängt also nie am Einkommen der Eltern, sondern allein am Kind.
Für Eltern von Studenten ist eine Regel wichtig. Während der ersten Ausbildung darf das Kind so viel verdienen, wie es will, der Anspruch bleibt. Dazu zählt auch das Bachelorstudium. Erst nach einem abgeschlossenen Erststudium oder einer abgeschlossenen Ausbildung wird geprüft, ob das Kind daneben mehr als 20 Stunden in der Woche arbeitet. Tut es das, fallen Kindergeld und Kinderfreibetrag weg. Ein Werkstudentenjob mit 20 Wochenstunden liegt genau auf dieser Grenze. Im Master gilt sie aber nur, wenn er nicht mehr zur Erstausbildung zählt. Schließt er zeitlich und inhaltlich direkt an den Bachelor an, rechnet die Familienkasse ihn meist noch zur Erstausbildung. Dann spielt die Stundenzahl in der Regel keine Rolle. Ein Minijob und ein Ausbildungsdienstverhältnis zählen nicht mit. Die alte Einkommensgrenze für Kinder, an die sich viele erinnern, gibt es seit 2012 nicht mehr.
Wo trägst Du den Kinderfreibetrag in der Steuererklärung ein?
Der Kinderfreibetrag gehört in die Anlage Kind, eine je Kind. Ein eigenes Feld für ihn gibt es nicht, er ergibt sich aus Deinen Angaben zum Kind. Du trägst Name, Geburtsdatum, Wohnort und den Zeitraum ein, in dem Du Kindergeld bekommen hast. Das Kindergeld in der Steuererklärung anzugeben ist Pflicht, auch wenn es steuerfrei ist. Ohne diese Angabe kann das Finanzamt nicht gegenrechnen. Gefragt ist der Anspruch auf Kindergeld, nicht der überwiesene Betrag. Für die Steuererklärung 2025 sind das 255 Euro je Kind und Monat, für 2026 dann 259 €. In derselben Anlage stehen die Kinderbetreuungskosten, das Schulgeld mit 30% der Gesamtkosten (Höchstbetrag 5.000 €), der Ausbildungsfreibetrag und für Alleinerziehende der Entlastungsbetrag von 4.260 €. Die Anlage Kind lohnt sich deshalb auch, wenn die Günstigerprüfung zugunsten des Kindergeldes ausgeht. Alles andere darin wirkt unabhängig davon.
Häufige Fragen
Ab wann lohnt sich der Kinderfreibetrag?
Bei zusammen veranlagten Eltern mit einem Kind ab rund 84.000 Euro zu versteuerndem Einkommen, bei Einzelveranlagung ab rund 42.000 Euro. Darunter ist das Kindergeld mehr wert. Rechnen musst Du das nicht selbst, das Finanzamt vergleicht beides automatisch.
Kann ich zwischen Kindergeld und Kinderfreibetrag wählen?
Nein, ein Wahlrecht gibt es nicht. Du beantragst das Kindergeld bei der Familienkasse, und das Finanzamt prüft mit der Steuererklärung von selbst, ob der Kinderfreibetrag günstiger wäre. Ist er das, zieht es ihn ab und rechnet das Kindergeld gegen.
Wie hoch ist der Kinderfreibetrag?
6.672 € für beide Elternteile zusammen, dazu 2.928 € für Betreuung, Erziehung und Ausbildung. Jedem Elternteil steht die Hälfte zu, 3.336 € plus 1.464 €.
Was heißt Kinderfreibetrag 0,5 oder 1,0 auf der Lohnabrechnung?
Der Zähler sagt, wie viele halbe Freibeträge auf Dich entfallen, 0,5 bei getrennten Eltern, 1,0 bei verheirateten oder nach Übertragung. Auf die Lohnsteuer wirkt er nicht, nur auf Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer, die dadurch jeden Monat etwas niedriger ausfallen.
Wie lange gibt es Kindergeld und Kinderfreibetrag?
Bis zum 18. Geburtstag ohne Bedingungen, danach bis zum 25. Geburtstag, solange das Kind eine Ausbildung oder ein Studium macht, einen Freiwilligendienst leistet oder auf einen Platz wartet. Nach einer abgeschlossenen ersten Ausbildung darf es daneben höchstens 20 Stunden in der Woche arbeiten.
Wo trage ich den Kinderfreibetrag in der Steuererklärung ein?
In der Anlage Kind, eine je Kind. Ein eigenes Feld für den Freibetrag gibt es nicht, Du trägst die Daten des Kindes und den Kindergeldanspruch ein, den Rest macht das Finanzamt.
Bekommen Eltern von Studenten den Kinderfreibetrag?
Ja, bis zum 25. Geburtstag des Kindes, solange es studiert. Der eigene Verdienst des Kindes spielt im Erststudium keine Rolle, erst nach einer abgeschlossenen Ausbildung gilt die Grenze von 20 Wochenstunden.