Musst Du Aktiengewinne versteuern und wann sind sie steuerfrei?
Stand: · Werte für das Steuerjahr 2025
Ja, Aktiengewinne müssen in Deutschland versteuert werden, mit 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Steuerfrei bleiben sie bis zum Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € im Jahr und bei Aktien, die Du vor 2009 gekauft hast. Die Steuer auf Gewinne aus Aktien zieht Deine Bank beim Verkauf selbst ab. In die Steuererklärung gehören sie nur, wenn keine deutsche Bank die Steuern abgezogen hat oder Du Geld zurückholen willst.
Wann musst Du Aktiengewinne in der Steuererklärung angeben?
Aktiengewinne musst Du in der Steuererklärung nur angeben, wenn darauf keine deutsche Kapitalertragsteuer einbehalten wurde. Hat eine Bank oder ein Broker in Deutschland die Steuer abgezogen, ist die Einkommensteuer damit abgegolten. Daher kommt der Name Abgeltungsteuer. Die Pflicht zur Anlage KAP entsteht vor allem in zwei Fällen.
- Dein Depot liegt bei einem Broker ohne Sitz oder Niederlassung in Deutschland. Dann hat niemand Steuer abgezogen, und Du erklärst die Gewinne selbst, auch wenn sie unter dem Sparer-Pauschbetrag bleiben (§ 32d Abs. 3 EStG).
- Du bist kirchensteuerpflichtig, die Bank hat aber keine Kirchensteuer einbehalten, etwa wegen eines Sperrvermerks beim Bundeszentralamt für Steuern. Dann kreuzt Du in der Anlage KAP die Erklärung zur Kirchensteuerpflicht an.
Müssen Aktiengewinne in der Steuererklärung angegeben werden, obwohl die Bank die Steuer schon abgezogen hat? Nein, aber freiwillig lohnt es sich oft. Das Finanzamt erstattet Dir dann zu viel gezahlte Steuer, vor allem in diesen Fällen.
- Du hattest keinen oder einen zu niedrigen Freistellungsauftrag, der Sparer-Pauschbetrag ist also nicht ausgeschöpft.
- Du hattest bei einer Bank Verluste und bei einer anderen Gewinne.
- Dein persönlicher Steuersatz liegt unter 25 Prozent, zum Beispiel im Studium. Dann beantragst Du die Günstigerprüfung.
- Ausländische Quellensteuer auf Dividenden wurde nicht angerechnet.
Wo trägst Du Aktiengewinne und andere Kapitalerträge in der Steuererklärung ein?
Aktiengewinne trägst Du in der Anlage KAP ein, dem Vordruck für Einkünfte aus Kapitalvermögen, auf Papier oder in ELSTER. Die Kapitalerträge übernimmst Du aus der Steuerbescheinigung Deiner Bank. Dort steht neben jedem Betrag die passende Zeile der Anlage KAP. Hast Du mehrere Depots, addierst Du die Werte. Für einen einzelnen Aktienverkauf musst Du in der Steuererklärung nichts rechnen, das hat die Bank schon erledigt.
Beispiel: Du studierst, hast nur einen Minijob und ein Depot bei einem Broker in Deutschland. Dort liegt ein Freistellungsauftrag über 1.000 Euro. 2025 hast Du 1.800 Euro Kursgewinn mit Aktien gemacht und 400 Euro Dividenden bekommen. Auf die 1.200 Euro über dem Freibetrag hat der Broker 300 Euro Kapitalertragsteuer und 16,50 Euro Solidaritätszuschlag einbehalten. Mit der Günstigerprüfung bekommst Du beides zurück, weil Dein Einkommen unter dem Grundfreibetrag liegt.
- Zeile 4 angekreuzt
- Ich beantrage die Günstigerprüfung für sämtliche Kapitalerträge.
- Zeile 7 Kapitalerträge
- 2.200 €
- Zeile 8 In Zeile 7 enthaltene Gewinne aus Aktienveräußerungen
- 1.800 €
- Zeile 16 In Anspruch genommener Sparer-Pauschbetrag, der auf die in den Zeilen 7 bis 15, 30 und 33 erklärten Kapitalerträge entfällt
- 1.000 €
- Zeile 37 Kapitalertragsteuer
- 300,00 €
- Zeile 38 Solidaritätszuschlag
- 16,50 €
Das Kästchen für die Günstigerprüfung kreuzt Du nur an, wenn Du sie willst. Die rechte Spalte neben Kapitalerträgen und Aktiengewinnen ist für Korrekturen gedacht, etwa wenn die Bank falsche Anschaffungskosten verwendet hat. Den Sparer-Pauschbetrag ziehst Du dort nicht ab, er hat eine eigene Zeile. Hat die Bank auch Kirchensteuer einbehalten, gehört sie in die Zeile nach dem Solidaritätszuschlag.
Was gilt bei einem ausländischen Broker?
Bei einem ausländischen Broker ohne Niederlassung in Deutschland zieht niemand Abgeltungsteuer ab, und es gibt keine deutsche Steuerbescheinigung. Die Zahlen nimmst Du aus der Jahresabrechnung des Brokers. Kapitalerträge und die darin enthaltenen Aktiengewinne gehören in den Abschnitt für Erträge, die nicht dem inländischen Steuerabzug unterlagen. Die im Ausland einbehaltene Quellensteuer trägst Du bei den noch nicht angerechneten ausländischen Steuern ein. Gewinne und Ausschüttungen von ETFs und anderen Fonds gehören bei einem ausländischen Broker in die Anlage KAP-INV.
Beispiel: Beim ausländischen Broker hast Du 1.500 Euro Gewinn mit Aktien gemacht und 300 Euro Dividenden aus den USA bekommen. Davon sind 45 Euro US-Quellensteuer abgezogen worden. Einen Freistellungsauftrag hast Du nirgends erteilt, deshalb steht beim Sparer-Pauschbetrag eine Null.
- Zeile 17 In Anspruch genommener Sparer-Pauschbetrag, der auf die in der Anlage KAP nicht erklärten Kapitalerträge entfällt
- 0 €
- Zeile 19 Ausländische Kapitalerträge (ohne Beträge laut den Zeilen 26a und 52)
- 1.800 €
- Zeile 20 In den Zeilen 18 und 19 enthaltene Gewinne aus Aktienveräußerungen i. S. d. § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG
- 1.500 €
- Zeile 41 Anrechenbare noch nicht angerechnete ausländische Steuern
- 45,00 €
Das Finanzamt zieht den Sparer-Pauschbetrag ab, setzt 25 Prozent Abgeltungsteuer an und rechnet die 45 Euro Quellensteuer darauf an.
Werden Aktiengewinne in Deutschland automatisch versteuert?
Ja, Aktiengewinne werden automatisch versteuert, wenn Dein Depot bei einer Bank oder einem Broker in Deutschland liegt. Das gilt auch für Neobroker mit deutscher Banklizenz oder deutscher Niederlassung. Beim Aktienverkauf behält die Bank die Kapitalertragsteuer ein und führt sie an das Finanzamt ab. Die Kapitalertragsteuer ist die Form, in der die Abgeltungsteuer erhoben wird. Jeder Aktiengewinn wird so direkt an der Quelle versteuert (§ 43 Abs. 5 EStG). Selbst versteuern musst Du Gewinne aus Aktien dann nicht. Die Versteuerung von Aktiengewinnen übernimmt die Bank.
Vor dem Steuerabzug verrechnet die Bank Gewinne und Verluste des laufenden Jahres. Steuern zahlst Du nur auf das, was danach über Deinem Freistellungsauftrag liegt. Bist Du kirchensteuerpflichtig, zieht die Bank auch die Kirchensteuer automatisch ab. Dein Kirchensteuermerkmal fragt sie dafür beim Bundeszentralamt für Steuern ab. Alle Beträge eines Jahres fasst sie in der Steuerbescheinigung zusammen.
Aktienerträge versteuern Anleger in Deutschland alle nach demselben Muster. Kursgewinne, Dividenden und Gewinne aus ETFs, Anleihen und anderen Wertpapieren sind Einkünfte aus Kapitalvermögen (§ 20 EStG). Für Börsengewinne gilt also dieselbe Abgeltungsteuer wie für jeden anderen Wertpapierverkauf. Eine eigene Aktiensteuer gibt es nicht. Wer Aktien kaufen und verkaufen will, zahlt Steuern erst auf den Gewinn beim Verkauf.
Wie viel Steuern zahlst Du auf Aktiengewinne?
Wie viel Steuern Du auf Aktiengewinne zahlst, hängt nur vom Gewinn ab, nicht von Deinem Einkommen. Die Besteuerung von Aktiengewinnen ist für alle Anleger gleich. Jeder zahlt 25 Prozent Abgeltungsteuer und darauf 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag. Zusammen sind das 26,375 Prozent. Den Solidaritätszuschlag auf die Abgeltungsteuer zahlst Du auch dann, wenn für Deinen Lohn keiner mehr anfällt.
Mit Kirchensteuer steigt der Steuersatz auf Aktiengewinne leicht. Die Kirchensteuer von 8 oder 9 Prozent kommt dazu, die Abgeltungsteuer sinkt dafür etwas (§ 32d Abs. 1 EStG).
| Kirchensteuer | Steuer auf den Gewinn |
|---|---|
| keine | 26,375 % |
| 8 % (Bayern, Baden-Württemberg) | 27,819 % |
| 9 % (übrige Bundesländer) | 27,995 % |
So hoch werden Aktiengewinne versteuert, egal ob Du studierst oder viel verdienst. Liegt Dein persönlicher Steuersatz unter 25 Prozent, holst Du mit der Günstigerprüfung einen Teil oder alles zurück.
Beispiel: Du willst 20 Aktien verkaufen, die Du vor drei Jahren für 2.000 Euro gekauft hast. Heute sind sie 5.000 Euro wert. Kauf und Verkauf kosten Dich je 5 Euro Ordergebühr, Dein Gewinn ist also 2.990 Euro. 1.000 Euro davon deckt Dein Freistellungsauftrag. Auf die übrigen 1.990 Euro zahlst Du 497,50 Euro Kapitalertragsteuer und 27,36 Euro Solidaritätszuschlag, zusammen 524,86 Euro Steuern. Von den 5.000 Euro kann Dir die Bank nach Gebühr und Steuern 4.470,14 Euro auszahlen.
Kosten, die direkt mit Kauf und Verkauf zusammenhängen, senken den Gewinn. Das sind Ordergebühren, Provisionen und Börsenentgelte (§ 20 Abs. 4 EStG). Depotgebühren und andere laufende Bankkosten setzt Du dagegen nicht ab. Sie gelten mit dem Sparer-Pauschbetrag als abgegolten (§ 20 Abs. 9 EStG).
Welcher Steuerfreibetrag gilt für Aktiengewinne?
Der Steuerfreibetrag für Aktiengewinne ist der Sparer-Pauschbetrag. Er beträgt 1.000 € im Jahr, für zusammen veranlagte Ehepaare 2.000 € (§ 20 Abs. 9 EStG). Der Freibetrag gilt für alle Kapitalerträge zusammen, also für Kursgewinne, Dividenden, Zinsen und Erträge aus ETFs. Was Du in einem Jahr nicht nutzt, verfällt.
Damit die Bank den Freibetrag sofort berücksichtigt, erteilst Du ihr einen Freistellungsauftrag. Sie braucht dafür Deine Steuer-ID. Hast Du mehrere Depots und Konten, teilst Du den Betrag auf. Alle Freistellungsaufträge zusammen dürfen 1.000 € nicht übersteigen. Ohne Freistellungsauftrag zieht die Bank ab dem ersten Euro Steuern ab. Die bekommst Du dann nur über die Steuererklärung zurück.
Wie kannst Du Steuern auf Aktiengewinne vermeiden?
Steuern auf Aktiengewinne vermeiden kannst Du legal auf fünf Wegen.
- Freistellungsauftrag erteilen, damit der Sparer-Pauschbetrag sofort wirkt.
- Gewinne auf zwei Jahre verteilen. Verkaufst Du die Hälfte im Dezember und den Rest im Januar, nutzt Du den Freibetrag zweimal. Im Beispiel oben sinkt die Steuer so von 524,86 auf rund 260 Euro.
- Verluste im selben Jahr realisieren. Liegen Aktien mit Verlust im Depot, senkt ihr Verkauf die Steuer auf Deine Aktiengewinne.
- Günstigerprüfung oder NV-Bescheinigung nutzen, wenn Dein Einkommen niedrig ist, etwa im Studium.
- Aktien von vor 2009 behalten. Ihr Kursgewinn bleibt steuerfrei.
Ist ein Aktienverkauf nach 12 Monaten, einem Jahr oder 10 Jahren steuerfrei?
Nein. Die Spekulationsfrist von einem Jahr für Aktien ist seit 2009 abgeschafft. Für jede Aktie, die Du nach dem 31. Dezember 2008 gekauft hast, ist der Gewinn steuerpflichtig, egal wie lange Du sie hältst. Ein Aktienverkauf ist also weder nach 12 Monaten noch nach 10 Jahren steuerfrei. Die Haltedauer spielt keine Rolle.
Steuerfreie Aktiengewinne gibt es nur in zwei Fällen. Steuerfrei verkaufen kannst Du Aktien aus einem Altbestand von vor 2009, und Gewinne bis zum Sparer-Pauschbetrag bleiben ohnehin frei. Bei allen anderen Aktienverkäufen musst Du den Gewinn versteuern, auch nach vielen Jahren. Für die Versteuerung von Aktienverkäufen zählt allein das Kaufdatum.
Die Frist von einem Jahr gibt es weiterhin, aber nur für private Veräußerungsgeschäfte mit anderen Wirtschaftsgütern wie Gold oder Kryptowährungen (§ 23 EStG). Die zehn Jahre stammen aus derselben Vorschrift und gelten für Immobilien. Eine Spekulationssteuer auf Aktien gibt es seit 2009 nicht mehr. Jeder Spekulationsgewinn mit Aktien gehört zu den Einkünften aus Kapitalvermögen. Steuerfreien Aktienhandel gibt es deshalb nur mit Altbeständen, für alle anderen Aktien zahlst Du Steuern auf den Gewinn.
Aktien, die Du vor 2009 gekauft hast, verkaufst Du steuerfrei
Aktien aus dem Altbestand, also vor dem 1. Januar 2009 gekauft, verkaufst Du bis heute steuerfrei (§ 52 Abs. 28 Satz 11 EStG). Für sie galt beim Kauf noch die alte Spekulationsfrist von einem Jahr, und die ist längst abgelaufen. Die Steuerfreiheit gilt nur für den Kursgewinn. Dividenden aus Aktien, die Du vor 2009 gekauft hast, versteuerst Du ganz normal.
Hast Du dieselbe Aktie vor und nach 2009 gekauft, gelten die zuerst gekauften Stücke als zuerst verkauft (§ 20 Abs. 4 Satz 7 EStG). Kaufst Du 2008 und 2012 je 100 Stück und verkaufst 150, sind 100 davon steuerfrei und 50 steuerpflichtig. Den Altbestand behältst Du auch bei einem Depotwechsel, denn die alte Bank gibt die Kaufdaten an die neue weiter.
Für Fonds und ETFs, die Du vor 2009 gekauft hast, gilt eine eigene Regel. Wertzuwächse bis Ende 2017 bleiben steuerfrei, spätere sind steuerpflichtig, soweit sie 100.000 Euro übersteigen (§ 56 Abs. 6 InvStG). Diesen Freibetrag berücksichtigt nur das Finanzamt. Verkaufst Du solche Anteile, gibst Du deshalb die Anlage KAP ab.
Wie verrechnest Du Aktienverluste mit Aktiengewinnen?
Aktienverluste verrechnet Deine Bank automatisch, aber nur mit Aktiengewinnen (§ 20 Abs. 6 Satz 4 EStG). Dafür führt sie einen eigenen Aktienverlusttopf. Verluste aus ETFs, Fonds, Anleihen und Zertifikaten landen im allgemeinen Verlusttopf. Den verrechnet sie mit allen Kapitalerträgen, auch mit Dividenden und Aktiengewinnen. Mit Deinem Lohn kannst Du Verluste aus Kapitalvermögen nicht verrechnen (§ 20 Abs. 6 Satz 1 EStG).
Ob die Beschränkung auf Aktiengewinne mit dem Grundgesetz vereinbar ist, prüft das Bundesverfassungsgericht seit 2021 (Az. 2 BvL 3/21). Der Bundesfinanzhof hält sie für verfassungswidrig. Bis zur Entscheidung ergehen Steuerbescheide in diesem Punkt vorläufig, Du musst dafür nichts tun.
Was die Bank in einem Jahr nicht verrechnen kann, trägt sie ins nächste Jahr vor. Hast Du Gewinne bei einer anderen Bank, beantragst Du bis zum 15. Dezember eine Verlustbescheinigung (§ 43a Abs. 3 EStG). Dann schließt die Bank den Verlusttopf, und das Finanzamt verrechnet über die Anlage KAP. Aktienverluste trägst Du in der Steuererklärung also nur mit Verlustbescheinigung ein.
Beispiel: Bei Bank A hast Du 800 Euro Verlust mit Aktien gemacht und die Verlustbescheinigung beantragt. Bei Bank B hast Du 2.000 Euro Aktiengewinn, dort liegt Dein Freistellungsauftrag über 1.000 Euro. Bank B behält auf die übrigen 1.000 Euro 263,75 Euro Steuern ein. Über die Anlage KAP verrechnet das Finanzamt die 800 Euro Verlust und erstattet Dir 211 Euro.
- Zeile 5 angekreuzt
- Ich beantrage eine Überprüfung des Steuereinbehalts für bestimmte Kapitalerträge.
- Zeile 13 Nicht ausgeglichene Verluste aus der Veräußerung von Aktien
- 800 €
Die übrigen Zeilen füllst Du mit der Steuerbescheinigung von Bank B aus, wie im ersten Beispiel.
Zahlen Studenten Steuern auf Aktiengewinne?
Ja, auch Studenten zahlen Steuern auf Aktiengewinne, zunächst ganz normal Abgeltungsteuer. Die Bank kennt Dein übriges Einkommen nicht. Liegt Dein Einkommen samt Kapitalerträgen unter dem Grundfreibetrag von 12.096 €, fällt am Ende aber keine Einkommensteuer an. Dann holst Du die Steuer zurück oder verhinderst den Abzug von vornherein.
Mit der Günstigerprüfung holst Du die Abgeltungsteuer zurück
Mit der Günstigerprüfung rechnet das Finanzamt Deine Kapitalerträge zu Deinem übrigen Einkommen und besteuert alles mit Deinem persönlichen Steuersatz (§ 32d Abs. 6 EStG). Es wählt die günstigere Variante, schlechter stellt Dich der Antrag nie. Die Günstigerprüfung lohnt sich, solange Dein persönlicher Steuersatz unter 25 Prozent liegt. Du beantragst sie mit einem Kreuz in der Anlage KAP und gibst dafür alle Kapitalerträge an. Die Steuererklärung ist dann freiwillig. Du kannst sie vier Jahre rückwirkend abgeben, für 2022 also noch bis zum 31. Dezember 2026.
Mit der NV-Bescheinigung zieht die Bank keine Steuer ab
Die NV-Bescheinigung, amtlich Nichtveranlagungs-Bescheinigung, lohnt sich bei Kapitalerträgen über dem Sparer-Pauschbetrag. Voraussetzung ist, dass Deine Einkünfte insgesamt unter dem Grundfreibetrag bleiben. Du beantragst sie mit dem Vordruck NV 1 A bei Deinem Wohnsitzfinanzamt, auf Papier oder über ELSTER. Legst Du sie Deiner Bank vor, behält diese keine Abgeltungsteuer mehr ein. Die Bescheinigung gilt höchstens drei Jahre und endet immer mit einem Kalenderjahr (§ 44a Abs. 2 EStG). Liegen Deine Kapitalerträge unter 1.000 €, reicht der Freistellungsauftrag.
Ein Depot für Kinder nutzt deren eigene Freibeträge
Ein Depot für Kinder läuft auf den Namen des Kindes und nutzt dessen eigenen Sparer-Pauschbetrag und Grundfreibetrag. Freistellungsauftrag und NV-Bescheinigung beantragen die Eltern für das Kind. Das Geld muss dann aber wirklich dem Kind gehören. Verfügen die Eltern darüber wie über eigenes Geld, rechnet das Finanzamt die Erträge ihnen zu (§ 39 AO). Auf das Kindergeld wirken sich die Kapitalerträge nicht aus.
Willst Du Deinem Kind Aktien aus Deinem Depot übertragen, sag der Bank, dass es eine Schenkung ist. Sonst behandelt sie die Übertragung wie einen Verkauf und behält Steuer ein (§ 43 Abs. 1 EStG). Die Bank meldet die Schenkung dem Finanzamt. Schenkungsteuer fällt zwischen Eltern und Kind erst über 400.000 Euro in zehn Jahren an.
Wie werden ETFs und Aktienfonds versteuert?
ETFs und Aktienfonds versteuerst Du ebenfalls mit Abgeltungsteuer, aber nicht in voller Höhe. Bei Aktienfonds sind 30 Prozent der Erträge steuerfrei, das ist die Teilfreistellung (§ 20 InvStG). Sie gilt für Ausschüttungen, Vorabpauschalen und Verkaufsgewinne. Als Aktienfonds zählt ein Fonds, der laufend mehr als die Hälfte seines Vermögens in Aktien anlegt, in der Regel also jeder Aktien-ETF. Für Mischfonds sind es 15 Prozent, für Immobilienfonds 60 oder 80 Prozent. Die Bank berücksichtigt die Teilfreistellung automatisch.
Thesaurierende ETFs schütten nichts aus. Für sie gibt es die Vorabpauschale, eine vorgezogene Steuer auf einen gedachten Ertrag (§ 18 InvStG). Sie errechnet sich aus dem Wert zu Jahresbeginn und 70 Prozent des Basiszinses, den das Bundesfinanzministerium jedes Jahr veröffentlicht. Höchstens angesetzt wird der Wertzuwachs des Jahres. Bei ausschüttenden ETFs fällt sie nur an, wenn die Ausschüttung kleiner ist als dieser Betrag. Die Bank zieht die Steuer Anfang Januar für das Vorjahr ein, soweit Dein Freistellungsauftrag sie nicht deckt. Beim Verkauf mindern die schon versteuerten Vorabpauschalen den Gewinn, Du zahlst also nicht doppelt (§ 19 InvStG).
Musst Du Dividenden versteuern, und was passiert mit der Quellensteuer?
Ja, Dividenden musst Du versteuern, genau wie Kursgewinne mit Abgeltungsteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Bei einem Depot in Deutschland zieht die Bank die Steuer bei der Ausschüttung ab, soweit Dein Freistellungsauftrag nicht reicht. Der Sparer-Pauschbetrag gilt für Dividenden genauso wie für Kursgewinne.
Viele Staaten behalten auf Dividenden eine Quellensteuer ein, die USA zum Beispiel 15 Prozent. Deine Bank rechnet sie auf die deutsche Steuer an, so weit es das Doppelbesteuerungsabkommen vorsieht, meist bis 15 Prozent (§ 32d Abs. 5 EStG). Auf eine US-Dividende zahlst Du in Deutschland dann nur noch 10 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag. Behält ein Staat mehr ein, etwa die Schweiz mit 35 Prozent, holst Du den Rest nur mit einem Antrag bei der dortigen Steuerbehörde zurück.
Häufige Fragen
Muss ich Aktien in der Steuererklärung angeben?
Nur wenn keine deutsche Kapitalertragsteuer einbehalten wurde, etwa bei einem Broker ohne Niederlassung in Deutschland. Oder wenn Du kirchensteuerpflichtig bist und die Bank keine Kirchensteuer abgezogen hat. Sonst ist die Steuer mit dem Abzug abgegolten. Freiwillig lohnt sich die Anlage KAP, wenn Du so Steuern zurückbekommst.
Wie viel Steuern zahle ich auf Aktiengewinne?
Jeder Anleger zahlt 25 Prozent Abgeltungsteuer und 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag darauf, zusammen 26,375 Prozent des Gewinns über dem Sparer-Pauschbetrag von 1.000 €. Mit Kirchensteuer sind es 27,82 oder knapp 28 Prozent.
Wie hoch ist der Freibetrag für Aktiengewinne?
1.000 € im Jahr, für zusammen veranlagte Ehepaare 2.000 €. Dieser Sparer-Pauschbetrag gilt für alle Kapitalerträge zusammen, auch für Zinsen und Dividenden. Damit die Bank ihn sofort berücksichtigt, erteilst Du einen Freistellungsauftrag.
Sind Aktien nach einem Jahr steuerfrei?
Nein, das gilt nur für Aktien, die Du vor 2009 gekauft hast. Bei allen später gekauften Aktien ist jeder Gewinn steuerpflichtig, egal ob Du sie 12 Monate oder 10 Jahre hältst. Die Frist von einem Jahr gilt heute nur für andere Wirtschaftsgüter wie Gold oder Kryptowährungen.
Werden Aktiengewinne automatisch versteuert?
Ja, wenn Dein Depot bei einer Bank oder einem Broker in Deutschland liegt. Die Bank behält die Steuer beim Verkauf ein und führt sie an das Finanzamt ab. Bei einem Broker ohne Niederlassung in Deutschland erklärst Du die Gewinne selbst in der Anlage KAP.
Wo trage ich Aktiengewinne in der Steuererklärung ein?
In der Anlage KAP. Bei einem Depot in Deutschland übernimmst Du die Werte der Steuerbescheinigung. Die Kapitalerträge kommen in Zeile 7, die darin enthaltenen Aktiengewinne in Zeile 8, der genutzte Sparer-Pauschbetrag in Zeile 16 und die einbehaltene Steuer ab Zeile 37. Gewinne bei einem ausländischen Broker gehören in die Zeilen 19 und 20.
Wie kann ich Steuern auf Aktiengewinne vermeiden?
Mit einem Freistellungsauftrag bis 1.000 €, indem Du große Gewinne auf zwei Jahre verteilst und Verluste im selben Jahr realisierst. Bei geringem Einkommen holst Du die Steuer mit der Günstigerprüfung zurück oder verhinderst den Abzug mit einer NV-Bescheinigung.