Steuerfreibetrag bei Alleinerziehenden: Entlastungsbetrag senkt Steuern

Stand: · Werte für das Steuerjahr 2025

Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende beträgt 4.260 € im Jahr, für jedes weitere Kind kommen 240 € dazu. Anspruch hast Du, wenn ein Kind bei Dir gemeldet ist, für das Du Kindergeld bekommst. Außer Dir darf keine weitere volljährige Person in der Wohnung leben. In der Steuererklärung trägst Du ihn in den Zeilen 45 bis 48 der Anlage Kind ein. Willst Du nicht bis zum Jahresende warten, beantragst Du den Wechsel in Steuerklasse 2 und zahlst schon monatlich weniger Lohnsteuer. Hier findest Du die Beträge, die vier Voraussetzungen und den ausgefüllten Abschnitt der Anlage Kind.

Wie hoch ist der Steuerfreibetrag bei Alleinerziehenden?

Der Steuerfreibetrag für Alleinerziehende heißt amtlich Entlastungsbetrag und liegt bei 4.260 € für das erste Kind. Für jedes weitere Kind kommt ein Erhöhungsbetrag von 240 € dazu. Anders als der Grundbetrag ist dieser Zuschlag nicht gedeckelt. Er wächst mit jedem Kind weiter.

Kinder im Haushalt Entlastungsbetrag im Jahr davon je Monat
1 Kind 4.260 € 355 €
2 Kinder 4.500 € 375 €
3 Kinder 4.740 € 395 €
4 Kinder 4.980 € 415 €

Der Entlastungsbetrag ist ein Steuerfreibetrag und keine Erstattung. Er senkt Dein zu versteuerndes Einkommen, nicht Deine Steuerschuld. Was am Ende bei Dir ankommt, hängt deshalb von Deinem Verdienst ab. Bei Alleinerziehenden mit höherem Einkommen bringt derselbe Freibetrag mehr Ersparnis.

Zu versteuerndes Einkommen Du sparst im Jahr entspricht im Monat
25.000 € 1.103 € 92 €
30.000 € 1.178 € 98 €
40.000 € 1.329 € 111 €
50.000 € 1.479 € 123 €

Das zu versteuernde Einkommen ist nicht Dein Bruttolohn. Es ist der Betrag, der nach Abzug von Werbungskosten, Sonderausgaben und Vorsorgeaufwendungen übrig bleibt. Deshalb liegt es meist einige tausend Euro unter dem Brutto. Den Wert findest Du in Deinem letzten Steuerbescheid. Soli und Kirchensteuer sind in der Tabelle nicht berücksichtigt. Mit Kirchensteuer fällt die Ersparnis noch etwas höher aus.

Steuertipp: Mit einem Kind zahlst Du als Alleinerziehende bis zu Einkünften von 16.356 Euro im Jahr keine Einkommensteuer. Das sind der Grundfreibetrag von 12.096 € plus der Entlastungsbetrag. Ohne ihn wären auf diese Einkünfte rund 766 Euro Steuer fällig.

Der Entlastungsbetrag wird monatsweise gerechnet

Den vollen Betrag bekommst Du nur, wenn Du das ganze Jahr über alleinerziehend warst. Das Finanzamt rechnet monatsgenau. Für jeden Monat ohne die Voraussetzungen streicht es ein Zwölftel des Entlastungsbetrages. Bei einem Kind sind das 355 Euro je Monat. Ein Monat zählt schon ganz mit, wenn die Voraussetzungen an einem einzigen Tag darin vorlagen.

Beispiel: Dein Partner zieht zum 31. März aus, das Kind bleibt bei Dir gemeldet. Im März war er noch da, erst ab April bist Du alleinstehend. Der Entlastungsbetrag steht Dir für neun Monate zu.

Zeitraum Voraussetzungen erfüllt Entlastungsbetrag
Januar bis März nein, Partner im Haushalt 0 €
April bis Dezember ja, 9 Monate 3.195 €
Summe für das Jahr 9 von 12 Monaten 3.195 €

Genau deshalb sind die Zeitangaben in der Anlage Kind so wichtig. Trägst Du dort pauschal das ganze Jahr ein, obwohl der Partner erst im März ausgezogen ist, stimmt Deine Erklärung nicht.

Wer gilt als alleinerziehend? Die Definition des Finanzamts

Als alleinerziehend gilt beim Finanzamt, wer vier Voraussetzungen erfüllt. Diese Definition ist enger als im Alltag. Erst wenn alle vier zutreffen, bekommst Du den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende.

1. Du hast Anspruch auf Kindergeld

Sobald in Deinem Haushalt ein Kind gemeldet ist, für das Du einen Anspruch auf Kindergeld hast, erfüllst Du diesen Punkt. Dabei ist es egal, an wen das Kindergeld tatsächlich gezahlt wird. Das Finanzamt nimmt zunächst an, dass der Entlastungsbetrag der Person zusteht, die auch das Kindergeld bezieht. Davon könnt Ihr aber abweichen (§ 24b Absatz 1 Satz 3). Dein Anspruch auf Kindergeld endet mit dem 25. Geburtstag Deines Kindes oder schon früher mit dem Ende seiner Ausbildung. Fällt das Kindergeld weg, entfällt ab demselben Monat auch der Entlastungsbetrag.

Steuertipp: Für dasselbe Kind kann nur ein Elternteil den Entlastungsbetrag nutzen. Sprecht Euch ab, wer ihn beantragt. Am meisten bringt er der Person mit dem höheren Einkommen, weil der Freibetrag dort einen höheren Steuersatz trifft.

2. Das Kind lebt in Deinem Haushalt

Sobald das Kind bei Dir gemeldet ist, erfüllst Du diese Voraussetzung. Ist das Kind bei beiden Elternteilen gemeldet, könnt Ihr selbst entscheiden, wer den Entlastungsbetrag geltend macht. Ohne eine andere Absprache geht das Finanzamt von der Person aus, die das Kindergeld bezieht.

Steuertipp: Bei zwei Kindern lohnt ein Blick auf die Meldeadressen. Sind beide Elternteile für sich alleinstehend und lebt bei jedem eines der Kinder, bekommt jeder von Euch den vollen Entlastungsbetrag von 4.260 € statt einmal 4.500 Euro für zwei Kinder.

3. Du bist alleinstehend und lebst ohne Partner

In Deinem Haushalt darf keine weitere volljährige Person gemeldet sein. Das gilt für einen Partner genauso wie für einen Mitbewohner oder Deine eigene Mutter. Die einzige Ausnahme ist das eigene volljährige Kind, für das Du noch Anspruch auf Kindergeld hast. Etwa eine 20-jährige Studentin, die bei ihrem alleinerziehenden Vater wohnt.

Eine gemeldete zweite Person genügt bereits, damit der Anspruch entfällt. Das Finanzamt unterstellt in diesem Fall eine Haushaltsgemeinschaft. Diese Vermutung kannst Du widerlegen, etwa wenn die Person pflegebedürftig ist und nichts zum Haushalt beiträgt. Den Nachweis musst Du dann aber selbst führen.

4. Du hast den Steuerfreibetrag für Alleinerziehende beantragt

Du musst den Anspruch selbst melden, entweder über die Anlage Kind in der Steuererklärung oder über einen Antrag auf Steuerklasse 2. Ohne einen dieser beiden Schritte bleibt der Freibetrag ungenutzt.

Wo steht der Entlastungsbetrag in der Anlage Kind?

Der Entlastungsbetrag gehört in die Anlage Kind, in den Abschnitt Entlastungsbetrag für Alleinerziehende. Dort findest Du ihn auch, wenn Du Deine Steuererklärung über ELSTER abgibst. Für jedes Kind füllst Du eine eigene Anlage Kind aus. So sieht der Abschnitt ausgefüllt aus.

Entlastungsbetrag für Alleinerziehende

Zeile 45 Das Kind war mit mir in der gemeinsamen Wohnung gemeldet im Zeitraum
01.01-31.12
Zeile 46 Für das Kind wurde mir Kindergeld ausgezahlt im Zeitraum
01.01-31.12
Zeile 47 Außer mir war(en) in der gemeinsamen Wohnung eine / mehrere volljährige Person(en) gemeldet, für die (zeitweise) kein Anspruch auf Kindergeld oder Freibeträge für Kinder bestand
Nein
Zeile 48 Es bestand eine Haushaltsgemeinschaft mit mindestens einer weiteren volljährigen Person, für die (zeitweise) kein Anspruch auf Kindergeld oder Freibeträge für Kinder bestand
Nein

Die beiden ersten Zeilen sind Zeiträume. Warst Du das ganze Jahr alleinerziehend, steht in beiden 01.01. bis 31.12. Ist der Partner im März ausgezogen, bleibt Zeile 45 trotzdem bei 01.01. bis 31.12. Das Kind war ja durchgehend bei Dir gemeldet. Die Monate mit dem Partner gehören stattdessen in Zeile 47.

Die Zeilen 47 und 48 sind der eigentliche Prüfpunkt

Beide fragen nach weiteren Erwachsenen im Haushalt, aber aus zwei Richtungen. Zeile 47 fragt nach der Meldung, also ob jemand außer Dir in der Wohnung gemeldet war. Zeile 48 fragt nach dem tatsächlichen Zusammenleben, also nach einer Haushaltsgemeinschaft auch ohne Meldung.

Antwortest Du bei einer der beiden mit Ja, verlangt ELSTER den Zeitraum. Daraus berechnet das Finanzamt die Kürzung um ein Zwölftel je Monat.

Zeile 47 Außer mir war(en) in der gemeinsamen Wohnung eine / mehrere volljährige Person(en) gemeldet, für die (zeitweise) kein Anspruch auf Kindergeld oder Freibeträge für Kinder bestand
Ja
Zeile 47 Falls „Ja“ (Zeitraum)
01.01-31.03

Steuertipp: Ein volljähriges Kind, für das Du noch Kindergeld bekommst, zählt hier nicht mit. Die Frage zielt ausdrücklich auf Personen, für die kein Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibeträge besteht.

Bei Ja in Zeile 48 kommt ein weiterer Abschnitt dazu

Gibst Du eine Haushaltsgemeinschaft an, will ELSTER wissen, mit wem. Direkt darunter öffnet sich der Abschnitt Haushaltsgemeinschaft mit weiteren volljährigen Personen, für die keine Anlage(n) Kind beigefügt ist / sind. Dort trägst Du die Person mit Namen ein.

Haushaltsgemeinschaft mit weiteren volljährigen Personen

Zeile 49 Name, Vorname
Meier, Anna
Zeile 50 Verwandtschaftsverhältnis
Mutter
Zeile 50 Beschäftigung / Tätigkeit
Rentnerin

Für jede weitere Person legst Du einen eigenen Eintrag an. Mit der Angabe zur Tätigkeit prüft das Finanzamt, ob die Person tatsächlich zum Haushalt beiträgt. Darauf stützt sich die Vermutung einer Haushaltsgemeinschaft, die Dir den Entlastungsbetrag nimmt.

Mit Steuerklasse 2 bekommst Du den Entlastungsbetrag schon im Monatslohn

Mit der Steuerklasse 2 zahlst Du schon jeden Monat weniger Lohnsteuer. Über die Steuererklärung bekommst Du den Entlastungsbetrag dagegen erst im Folgejahr. Steuerklasse 2 unterscheidet sich von Steuerklasse 1 nur dadurch, dass der Entlastungsbetrag bereits im Lohnsteuerabzug steckt. 355 Euro Deines Monatslohns bleiben also unbesteuert. Steuerklasse 2 hat deshalb auch keinen eigenen Prozentsatz. Wie viel netto mehr dabei herauskommt, hängt von Deinem Verdienst ab. Es ist ein Zwölftel der Jahresersparnis aus der Tabelle weiter oben, also rund 90 bis 125 Euro im Monat.

Beantragen kannst Du den Wechsel über ELSTER mit dem Antrag auf Steuerklassenwechsel. Sobald das Finanzamt ihn bewilligt hat, greift die Entlastung ab dem Folgemonat. In Deiner Steuererklärung gibst Du dann Steuerklasse 2 an. Die Anlage Kind füllst Du trotzdem weiter aus, denn der Lohnsteuerabzug ist nur eine Vorauszahlung.

Wann lohnt sich die Steuererklärung für Alleinerziehende?

Die Steuererklärung lohnt sich für Alleinerziehende vor allem, wenn Du in Steuerklasse 1 gearbeitet hast, obwohl Du alleinerziehend bist. Dann wurde das ganze Jahr über zu viel Lohnsteuer einbehalten. Der volle Entlastungsbetrag kommt als Erstattung zurück. Das ist der häufigste Fall. Viele merken erst mit der Trennung oder dem Auszug des Partners, dass die Steuerklasse nicht mehr passt.

Warst Du bereits in Steuerklasse 2, ist der Entlastungsbetrag schon im Monatslohn verrechnet. Dann entscheiden andere Posten darüber, ob eine Erstattung herauskommt, etwa Kinderbetreuungskosten, Fahrtkosten oder Ausgaben für ein Kind im Studium .


Steuertipp: Bist Du zur Abgabe nicht verpflichtet, kannst Du die Steuererklärung vier Jahre rückwirkend freiwillig abgeben. Hast Du den Entlastungsbetrag in den vergangenen Jahren nicht genutzt, holst Du ihn auf diesem Weg nach.


Was passiert, wenn die Voraussetzungen wegfallen?

Fallen die Voraussetzungen weg, musst Du Dein Finanzamt benachrichtigen. Das passiert vor allem, wenn eine weitere volljährige Person bei Dir einzieht oder das Kind nicht mehr in Deinem Haushalt lebt. Der Entlastungsbetrag entfällt dann ab dem ersten vollen Monat. Meldest Du das nicht, bleibt Steuerklasse 2 zunächst bestehen und es wird zu wenig Lohnsteuer einbehalten. Das Finanzamt holt sich die Differenz spätestens mit dem Steuerbescheid als Nachzahlung zurück.

Häufige Fragen

Wie hoch ist der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende?

4.260 € im Jahr für das erste Kind, plus 240 € für jedes weitere Kind. Bei zwei Kindern sind es 4.500 Euro, bei drei Kindern 4.740 Euro. Der Betrag mindert Dein zu versteuerndes Einkommen, er ist keine Erstattung. An Steuer sparst Du damit rund 1.100 Euro im Jahr bei 25.000 Euro zu versteuerndem Einkommen und rund 1.480 Euro bei 50.000 Euro.

Wo trage ich den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende ein?

In der Anlage Kind, im Abschnitt Entlastungsbetrag für Alleinerziehende. Dort gibst Du in Zeile 45 an, wann das Kind bei Dir gemeldet war, und in Zeile 46, für welchen Zeitraum Du Kindergeld bekommen hast. Die Zeilen 47 und 48 fragen nach weiteren volljährigen Personen im Haushalt. Für jedes Kind füllst Du eine eigene Anlage Kind aus.

Bekomme ich den Entlastungsbetrag automatisch?

Nein. Das Finanzamt weiß nicht von sich aus, dass Du alleinerziehend bist. Du meldest den Anspruch entweder über die Anlage Kind in der Steuererklärung oder Du beantragst den Wechsel in Steuerklasse 2. Ohne einen der beiden Schritte bleibt der Freibetrag ungenutzt.

Wie viel Prozent bringt Steuerklasse 2?

Steuerklasse 2 hat keinen eigenen Prozentsatz. Sie unterscheidet sich von Steuerklasse 1 allein dadurch, dass der Entlastungsbetrag bereits im Lohnsteuerabzug steckt, also 355 Euro im Monat weniger Lohn besteuert werden. Wie viel netto dabei herauskommt, hängt von Deinem Verdienst ab. Es sind rund 90 Euro im Monat bei 25.000 Euro zu versteuerndem Einkommen und rund 123 Euro bei 50.000 Euro.

Was passiert, wenn eine weitere erwachsene Person bei mir einzieht?

Dann entfällt der Entlastungsbetrag ab dem ersten vollen Monat, in dem die Person bei Dir wohnt, und Du musst das dem Finanzamt melden. Ausgenommen sind nur eigene Kinder, für die Du noch Anspruch auf Kindergeld hast, etwa ein volljähriges Kind in Ausbildung.

Können beide Elternteile den Entlastungsbetrag bekommen?

Für dasselbe Kind nicht, der Betrag steht nur einem Elternteil zu. Bei mehreren Kindern ist es möglich. Sind beide Elternteile für sich alleinstehend und lebt bei jedem eines der Kinder, bekommt jeder den vollen Entlastungsbetrag von 4.260 €.

Was ist aus dem Haushaltsfreibetrag geworden?

Der Haushaltsfreibetrag ist der Vorgänger und wurde bis 2003 gewährt. An seine Stelle trat 2004 der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende nach § 24b EStG. Wer heute nach dem Haushaltsfreibetrag sucht, meint in aller Regel den Entlastungsbetrag.

Lohnt sich die Steuererklärung für Alleinerziehende?

Wenn Du in Steuerklasse 1 gearbeitet hast, obwohl Du alleinerziehend bist, fast immer. Der Entlastungsbetrag wurde dann das ganze Jahr nicht berücksichtigt und kommt vollständig als Erstattung zurück. Warst Du bereits in Steuerklasse 2, ist er schon im Monatslohn verrechnet, dann entscheiden andere Posten. Freiwillig abgeben kannst Du rückwirkend vier Jahre.