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Einfache Anleitung zur Besteuerung von Kryptowährungen in Deutschland

Du fragst dich, wie Du deine Krypto-Gewinne aus Bitcoin, Ethereum und Co. in Deutschland versteuern musst? In unserem umfassenden Leitfaden schauen uns an, wann Gewinne steuerpflichtig werden, welche Rolle die Haltedauer spielt und was Du sonst noch wissen musst, um beim Krypto-Handel alles richtig zu machen. Wir zeigen Dir außerdem in einem Beispiel, wie Du Deine Kryptogewinne in Elster angibst.

Kryptowährungen einfach erklärt

Was sind Kryptowährungen?

Kryptowährungen sind digitale Währungen, die ausschließlich in elektronischer Form existieren. Sie stellen eine universelle Zahlungsmethode für Waren und Dienstleistungen dar und dienen gleichzeitig als Geldanlage, ohne dass die Notwendigkeit traditioneller Bankensysteme besteht. Durch diesen dezentralen Ansatz revolutionieren sie die Funktionsweise der Finanzwelt. Im Kern basieren Kryptowährungen auf dezentralen Computernetzwerken, den sogenannten Blockchains. Diese Technologie ermöglicht die Überprüfung und Genehmigung aller Transaktionen in einem verteilten Netzwerk, wodurch Transaktionen ohne eine zentrale Behörde abgesichert werden. Die Sicherheit und Integrität dieser digitalen Währungen werden durch den Einsatz kryptographischer Verfahren gewährleistet. Bekannte Beispiele für Kryptowährungen sind Bitcoin, die älteste und nach Marktkapitalisierung größte digitale Währung, sowie Ethereum und Litecoin. Es existieren jedoch unzählige weitere Kryptowährungen mit jeweils einzigartigen Merkmalen und Anwendungsbereichen. Die grundlegende Idee hinter Kryptowährungen ist die Schaffung einer Währung, die unabhängig von traditionellen Finanzinstitutionen und staatlicher Kontrolle existiert und den Geldtransfer zwischen Personen vereinfacht und direkter gestaltet, insbesondere auf globaler Ebene. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass der Wert von Kryptowährungen stark schwankt und primär durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird, was sie zu einer spekulativen Anlageform macht.

Warum sind Gewinne und Einkünfte daraus in Deutschland steuerpflichtig?

In Deutschland werden Kryptowährungen steuerrechtlich als "andere Wirtschaftsgüter" im Privatvermögen eingeordnet, vergleichbar mit Gold, Gemälden oder Oldtimern. Diese steuerliche Einordnung ist entscheidend, da sie bestimmt, wie Gewinne und Einkünfte aus diesen digitalen Währungen behandelt werden. Gemäß § 23 Abs. 1 Nr. 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) sind Gewinne aus dem Verkauf oder Tausch von Kryptowährungen innerhalb eines Jahres nach dem Erwerb als private Veräußerungsgeschäfte grundsätzlich steuerpflichtig. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat diese Besteuerung als verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden bestätigt. Die Einordnung als "andere Wirtschaftsgüter" führt dazu, dass auf Gewinne aus Kryptowährungen der persönliche Einkommensteuersatz angewendet wird und nicht die Abgeltungssteuer, die typischerweise für Kapitalerträge aus traditionellen Finanzanlagen wie Aktien gilt. Dies bedeutet auch, dass Du als Anleger selbst dafür verantwortlich bist, Deine Gewinne und Verluste aus Kryptowährungsgeschäften in Deiner Steuererklärung anzugeben.

Welche Krypto-Einkünfte gibt es und was musst Du beachten?

Gewinne aus dem Verkauf von Kryptowährungen

Gewinne aus dem Verkauf von Kryptowährungen entstehen, wenn Du Deine digitalen Währungen gegen Euro oder eine andere Fiat-Währung veräußerst oder wenn Du sie innerhalb der sogenannten Spekulationsfrist von einem Jahr gegen andere Kryptowährungen tauschst. Es ist wichtig zu wissen, dass in Deutschland auch der Tausch einer Kryptowährung gegen eine andere steuerlich als Verkauf gewertet wird, wenn dieser innerhalb der Jahresfrist erfolgt und einen Gewinn erzielt. Das bedeutet, dass jede Transaktion, die innerhalb der Haltefrist einen Wertzuwachs realisiert, steuerliche Pflichten nach sich ziehen kann.

Staking Gewinne

In Deutschland werden Einkünfte aus dem Staking von Kryptowährungen ähnlich wie Einkünfte aus dem Mining behandelt und als Einkünfte aus sonstigen Leistungen gemäß § 22 Nr. 3 des Einkommensteuergesetzes (EStG) besteuert. Für diese Art von Einkünften gilt eine jährliche Freigrenze von 256 Euro. Übersteigt der Wert der durch Staking erhaltenen Belohnungen diese Freigrenze, so muss der gesamte Betrag mit Deinem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert werden. Die Besteuerung der Staking-Belohnungen erfolgt grundsätzlich zum Zeitpunkt des Zuflusses, wobei der Marktwert der erhaltenen Kryptowährungen zu diesem Zeitpunkt in Euro als Berechnungsgrundlage dient.

Einkünfte aus Mining

Einkünfte, die Du durch Mining von Kryptowährungen erzielst, können in Deutschland entweder als Einkünfte aus Gewerbebetrieb gemäß § 15 EStG oder als Einkünfte aus sonstigen Leistungen gemäß § 22 Nr. 3 EStG steuerbar sein. Die genaue steuerliche Behandlung hängt dabei davon ab, ob Deine Mining-Tätigkeit als nachhaltig und auf Gewinnerzielung ausgerichtet angesehen wird. Für Einkünfte aus privatem Mining gilt ebenfalls eine jährliche Freigrenze von 256 Euro für die Einkommensteuer. Es ist wichtig zu beachten, dass bei einer Einordnung als gewerbliche Tätigkeit zusätzliche steuerliche Pflichten wie die Gewerbesteuer anfallen können.

Erträge aus dem Verleihen (Lending)

Auch Erträge, die Du durch das Verleihen (Lending) von Kryptowährungen erzielst, werden in Deutschland nach § 22 des Einkommensteuergesetzes (EStG) als sonstige Einkünfte versteuert. Ähnlich wie bei Staking und Mining gilt auch hier eine jährliche Freigrenze von 256 Euro. Das bedeutet, dass Zinserträge aus dem Verleihen von Kryptowährungen grundsätzlich steuerpflichtig sind, wobei die ersten 256 Euro pro Jahr steuerfrei bleiben.

Wann Dein Krypto-Verkauf steuerpflichtig wird

Die magische Grenze: Wann Du Steuern zahlen musst

Der Verkauf Deiner Kryptowährungen wird in Deutschland dann steuerpflichtig, wenn Du sie innerhalb eines Jahres nach dem Kauf mit Gewinn veräußerst und die Summe Deiner Gewinne aus allen privaten Veräußerungsgeschäften im Kalenderjahr mehr als 1.000 Euro (ab dem Steuerjahr 2024; bis einschließlich 2023 lag diese Grenze bei 600 Euro) beträgt. Es ist hierbei entscheidend zu verstehen, dass es sich bei dieser Grenze um eine Freigrenze und nicht um einen Freibetrag handelt. Das bedeutet: Sobald Deine gesamten Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften im Jahr die 1.000-Euro-Grenze überschreiten, ist der gesamte Gewinn steuerpflichtig, nicht nur der Betrag, der über der Grenze liegt. Diese Grenze gilt übrigens für alle privaten Veräußerungsgeschäfte innerhalb eines Jahres, nicht ausschließlich für Kryptowährungen. Verkaufst Du beispielsweise ein antikes Möbelstück für 300 € und erzielst mit Etherum Coins einen Gewinn von 800€ liegst Du mit insgesamt 1.100€ knapp über der Steuerfreigrenze.

Art der Einkünfte Steuerfreigrenze 2023 Steuerfreigrenze ab 2024
Gewinne aus Verkauf (innerhalb 1 Jahr) 600 € 1.000 €
Einkünfte aus Staking, Lending, Mining 256 € 256 €

So berechnest Du Deinen zu versteuernden Krypto-Gewinn

Dein zu versteuernder Gewinn aus dem Verkauf von Kryptowährungen wird als Differenz zwischen Deinen Anschaffungskosten (also dem Preis, zu dem Du die Kryptowährungen gekauft hast, inklusive eventueller Gebühren) und dem Preis, zu dem Du sie verkauft hast, berechnet. Um zu ermitteln, welche Coins Du wann verkauft hast, und somit die korrekten Anschaffungskosten zu bestimmen, wird in Deutschland in der Regel die sogenannte FIFO-Methode angewendet. FIFO steht für "First-In, First-Out" und bedeutet, dass die zuerst gekauften Kryptowährungen auch als die ersten verkauft gelten. Grundsätzlich werden Wallets separat betrachtet. Innerhalb einer Wallet ist die gewählte Methode bis zur vollständigen Veräußerung aller Kryptowerte einer Handelsbezeichnung in dieser Wallet beizubehalten. FIFO ist zwar üblicher, nach dem Gerichtsurteil FG-Nürnberg, 22.01.2025 - 3 K 760/22 Rn. 271, ist die Anwendung von LIFO aber ebenso möglich.

Kryptogewinne bei Elster-Online angeben

Wenn Du deine Einkommensteuererklärung mit Elster machst und Krypto-Gewinne angeben musst, ist das Hinzufügen der notwendigen Formulare ganz einfach. Logge Dich zunächst bei Elster . Am unteren linken Rand findest Du den Button „Anlagen hinzufügen/entfernen". Dort klickst Du drauf und wählst entweder die Anlage SO oder die Anlage KAP aus, je nachdem, welche für deine Krypto-Geschäfte relevant ist.

Formulare Krypto Gewinne

In der elektronischen Steuererklärung kannst Du dann unter dem Punkt „Einheiten virtueller Währungen und/oder sonstige Token" jede einzelne deiner Krypto-Transaktionen detailliert aufführen. Falls Du besonders viele Krypto-Trades hattest, kannst Du auch eine gesonderte Aufstellung als Sammelposten nutzen. Das bedeutet, Du fasst alle deine steuerpflichtigen Krypto-Verkäufe einer Kategorie zusammen und trägst dann die Gesamtsumme, als Veräußerungspreis in der Anlage SO ein.

Kryptogewinne in Elster angeben

Belege oder separate Aufstellungen musst Du nicht direkt mit deiner Steuererklärung einreichen, solltest sie aber gut aufbewahren, falls das Finanzamt später Fragen hat. Sollten Belege nachgefordert werden, kannst Du diese ganz einfach elektronisch über Elster unter „Formulare & Leistungen -> alle Formulare -> Belegnachreichung zur Steuererklärung" einreichen.

Steuertipp: Mache am besten jeden Monat Screenshots Deiner Wallets, um Bestände zu Stichtagen zu dokumentieren oder notiere die Werte in einer fortlaufenden Tabelle.

Staking und Lending: Was der Fiskus von Deinen Zinserträgen will

Einkünfte, die Du durch das Staking oder Lending von Kryptowährungen erzielst, sind in Deutschland bis zu einer jährlichen Freigrenze von 256 Euro steuerfrei. Diese Grenze gilt für alle Einkünfte aus sonstigen Leistungen im Sinne des § 22 EStG, zu denen auch Staking und Lending zählen. Übersteigen Deine gesamten Einkünfte aus diesen Aktivitäten die 256-Euro-Grenze, so ist der gesamte Betrag steuerpflichtig und muss mit Deinem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert werden. Die Besteuerung dieser Einkünfte erfolgt grundsätzlich zu dem Zeitpunkt, an dem Du die Belohnungen (Rewards) erhältst, und zwar auf Basis des Marktwerts der jeweiligen Kryptowährung in Euro zu diesem Zeitpunkt.

Mining und Airdrops: Steuerliche Aspekte, die Du kennen solltest

Auch Einkünfte aus dem Mining von Kryptowährungen sind in Deutschland bis zu einer Grenze von 256 Euro pro Jahr steuerfrei. Sollten Deine Einkünfte aus dem Mining diese Grenze überschreiten, ist der gesamte Betrag steuerpflichtig. Die steuerliche Einordnung von Mining-Einkünften kann dabei entweder als Einkünfte aus Gewerbebetrieb oder als Einkünfte aus sonstigen Leistungen erfolgen, abhängig von den Umständen Deiner Tätigkeit (mehr dazu hier § 22 Nr. 3 EStG).

Der Erhalt von Kryptowährungen durch sogenannte Airdrops ist in Deutschland in der Regel steuerfrei, vorausgesetzt, Du hast für den Erhalt keine spezifische Gegenleistung erbracht. Anders verhält es sich bei sogenannten Bounties, bei denen Du beispielsweise für die Teilnahme an einer Werbeaktion Kryptowährungen erhältst; diese können bereits bei Erhalt steuerpflichtig sein. Wenn Du die durch einen Airdrop erhaltenen Kryptowährungen jedoch innerhalb eines Jahres nach Erhalt mit Gewinn verkaufst, können Steuern anfallen, insbesondere wenn Dein Gesamtgewinn aus privaten Veräußerungsgeschäften die Freigrenze von 1.000 Euro übersteigt.

Die 1-Jahres-Frist: Dein Schlüssel zur Steuerfreiheit beim Krypto-Verkauf

Eine der wichtigsten Regeln bei der Besteuerung von Kryptowährungen in Deutschland ist die sogenannte 1-Jahres-Frist oder Spekulationsfrist. Wenn Du Deine Kryptowährungen erst nach einer Haltedauer von mehr als einem Jahr verkaufst, sind die Gewinne aus diesem Verkauf für Dich als Privatperson in der Regel steuerfrei, und zwar unabhängig von der Höhe des erzielten Gewinns. Die Frist beginnt dabei am Tag nach dem Kauf. Diese Regelung dient dazu, langfristige Investitionen zu fördern.

Haltefrist Besteuerung
Weniger als 1 Jahr Steuerpflichtig (persönlicher Einkommensteuersatz, über Freigrenze)
Mehr als 1 Jahr Steuerfrei (für private Veräußerungsgeschäfte)

Verluste sind auch wichtig: So kannst Du sie steuerlich nutzen

Wenn Du innerhalb der Einjahresfrist Verluste aus dem Handel mit Kryptowährungen realisierst (d.h., Du verkaufst sie zu einem niedrigeren Preis als Du sie gekauft hast), so können diese Verluste grundsätzlich mit Gewinnen aus anderen privaten Veräußerungsgeschäften verrechnet werden. Hältst Du den Verlust auch nur ein Jahr und einen Tag, geht der gesamte Verlust verloren Das bedeutet, Du kannst Verluste aus Krypto-Geschäften beispielsweise mit Gewinnen aus dem Verkauf von Immobilien oder Edelmetallen ausgleichen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Verluste in das vorangegangene Steuerjahr zurückzutragen oder sie zeitlich unbegrenzt in zukünftige Steuerjahre vorzutragen, um so Deine Steuerlast zu mindern. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Verluste aus Kryptowährungen nur mit Gewinnen aus gleichartigen privaten Veräußerungsgeschäften verrechnet werden können.

Damit das Finanzamt zufrieden ist: Die richtige Dokumentation Deiner Krypto-Transaktionen

Um Deine steuerlichen Pflichten im Umgang mit Kryptowährungen korrekt zu erfüllen, solltest Du alle Deine Krypto-Transaktionen sorgfältig dokumentieren. Dazu gehören der genaue Zeitpunkt des Kaufs und Verkaufs, die Art und Menge der gehandelten Kryptowährung sowie die jeweiligen Kauf- und Verkaufspreise. Wichtig sind auch Informationen über erhaltene Staking-Belohnungen, Mining-Einkünfte und Airdrops, einschließlich des Zeitpunkts des Erhalts und des jeweiligen Marktwerts in Euro. Die Verwendung von speziellen Krypto-Steuer-Tools oder auch einfachen Tabellenkalkulationsprogrammen kann Dir dabei helfen, den Überblick über Deine Transaktionen zu behalten und die notwendigen Angaben für Deine Steuererklärung zu erfassen. Es ist ratsam, alle relevanten Belege und Aufzeichnungen für mindestens sechs Jahre aufzubewahren. Zukünftig wird die Dokumentation noch wichtiger, da ab dem Jahr 2026 Kryptobörsen gemäß dem DAC8-Umsetzungsgesetz verpflichtet sein werden, Transaktionen ihrer Nutzer an die Finanzbehörden zu melden.

Fazit

Die Besteuerung von Kryptowährungen in Deutschland ist ein komplexes Thema, das von verschiedenen Faktoren wie der Art der Einkünfte, der Haltedauer und der Höhe der Gewinne abhängt. Es ist entscheidend, sich mit den geltenden Regeln und Freigrenzen vertraut zu machen, um Deine steuerlichen Pflichten korrekt zu erfüllen und mögliche Steuervorteile zu nutzen. Die Einhaltung der Dokumentationspflichten ist unerlässlich, um im Falle einer Prüfung durch das Finanzamt alle notwendigen Nachweise vorlegen zu können. Bei Unsicherheiten oder komplexeren Sachverhalten ist es immer ratsam, professionelle Steuerberatung in Anspruch zu nehmen, um sicherzustellen, dass Du Deine Krypto-Steuern korrekt und gesetzeskonform behandelst.